Hallo ihr Lieben,
niemand hat ein Zelt übrig, und das schöne Wetter scheint wieder vorbei zu sein. Ich habe zwar gestern noch Bindfaden gekauft, um aus meinem Regencape mit ein paar Stöcken ein Regendach zu basteln, aber mich kratzt es jetzt schon im Hals, und der Gedanke, da bei den angekündigten feuchten 3*C drunter zu schlafen, überzeugt mich nicht.
Und einerseits ist es mir jammervoll, dieses Wandern abzubrechen und mir graust davor, zu Hause zu sitzen in verordneter Kontaktarmut, trotz einiger guter Ideen, was ich da machen könnte… Ja, die sind das Andererseits, die Ideen.
Das mit dem Kanonkomponier-Online-Kurs war zum Beispiel kein Witz. Knotenzeichnen per Video zu erklären, könnte auch Spaß machen. Und mal Spargel zu stechen, könnte gut für die Lebenserfahrung sein. Und außerdem ist die Hütte ja gerade so schön aufgeräumt und entrümpelt… UND hat eine Badewanne.
Also, ich erkläre das Projekt für zeitweilig gescheitert, suche aber schon nach Möglichkeiten, es wieder aufzunehmen.
Der Mann der Pensionsbesitzerin meinte, wieso, wenn ich drüber schriebe, sei das doch journalistische Tätigkeit und klar beruflich. So gesehen…. Und, Saskia…. du hast doch da so‘ Zelt rumfliegen…. (Meins ist ja in England für den Earthbag-Building-Kurs im Juni, der hoffentlich wieder stattfinden darf.)
A propos Kurs: Der Pantomimekurs soll tatsächlich als Videokonferenz stattfinden. Man braucht bloß eine stabile Breitband-Internetverbindung. Diese Österreicher! Was denken die denn, wie man im Emsland auf dem Dorf lebt? Ich könnte natürlich nach Lingen fahren und mich in die überdachte Einkaufspassage stellen, da ist offenes W-LAN. Aber das ist natürlich völlig kontraproduktiv, man denke an die Menschenmassen, die ich anziehe, wenn ich, auf mein Handy starrend, Moonwalk übe oder unsichtbare Hindernisse wegschiebe. Oder bei meinem Nachbarn, der mich sein W-LAN mitbenutzen lässt, im Carport, da geht es auch. Wenn er nicht gerade am Motorrad schrauben muss. Stundenlang kann ich da vor laufender Kamera an fliegenden Regenschirmen hängen oder so, und versehentlich Werkzeuge von den Wänden schlagen, zur Freude der anderen in der Siedlung.
Na, ich halte euch auf dem Laufenden, wenn es da was zu berichten gibt.
Ich habe eine Zugverbindung mit nur einmal Umsteigen bis Salzbergen gefunden (ziemlich leer) und bin von da aus nach Hause gelaufen – mit schwerem Rucksack dank der nötigsten Einkäufe. Ich hatte ja sorgfältig alles aufgegessen vor der Abreise. So hatte ich doch immerhin noch vier Stunden Spaziergang. Ganz ohne eine Karte zu brauchen, den Weg kenne ich vom Fahrradfahren. Und die Landschaft ist eigentlich auch hier ziemlich schön. Jede Menge Magnolienbäume blühen. Und die Birken werden grün.
Hier sind genau so viele oder so wenig Leute und Autos unterwegs wie normalerweise. Unterschied zu sonst: Nachbarn, die einem sonst nur zunicken, fragen jetzt, wie es geht und ob alle gesund sind.
Und es war tatsächlich ein Genuss, in die so schön aufgeräumte Hütte zu kommen.
Ich wünsche euch ein glückliches, erholsames und gesundes Wochenende! Mäßiges Wetter wird helfen, die Sehnsucht nach Grillpartys im erträglichen Bereich zu halten.
Viele liebe Grüße
Julia