Silvester

Hallo ihr Lieben!
Vermutlich ist es eins der stilleren Silvesterfeste eures Lebens. Ich hoffe, ihr genießt es trotzdem, den Übergang aus diesem Jahr in ein neues zu feiern.

Ich bin auf einen wunderbaren Kurzfilm des dänischen Fernsehens gestoßen, der schon drei Jahre alt ist und noch dazu als Werbung gemeint war – es ist so ziemlich die beste Werbung, die ich bisher sehen durfte. Genießt: All That We Share

Mit vielen Freundinnen und Freunden und Familienmitgliedern landet das Gespräch ja immer wieder mysteriös bei den Gesundheits- und Politikfragen, die dieses Jahr so bestimmt haben. Da gibt es die, die sich rundrum gut informiert fühlen, und die, denen ein bisschen mulmig ist bei der Kommunikation der Regierenden mit dem Volk. Die drei Hauptängste, von denen Ganser spricht, vor Krankheit/Tod, Armut und Unfreiheit, sind alle vertreten, in unterschiedlichem Prozentsatz. Und von „Ich lass mich so schnell wie möglich impfen!“ bis „Das World Economic Forum ist dabei, mit Hilfe absurder Corona-Maßnahmen eine neue Weltordnung und einen totalen Überwachungsstaat einzurichten“ ist alles dabei. Und öfter höre ich den Satz: „Mir ist das einfach zu mühsam, da so viel zu recherchieren, und ich bin keine Medizinerin / kein Virologe, deshalb habe ich beschlossen, der Regierung zu vertrauen, die haben ihre Fachleute.“
Und die Frage kommt auch gern mal, ob ich nicht den offiziellen Quellen von WHO und RKI glaube.
Manchmal glaube ich, ich glaube WHO und RKI in einigen Punkten mehr, als es Kanzlerin und Länder-Ministerpräsidenten und Gesundheitsminister tun.
Zum Beispiel bei der Übersterblichkeit.
Das europäische Mortalitäts-Monitoring-Portal euromomo bekommt aus Deutschland immer nur aus Berlin und Hessen Zahlen gemeldet. Das sieht da so aus: Substantial increase (deutliche Erhöhung) zuletzt 2018.

Ja, aber in den Zeitungen STAND doch, wir hätten Übersterblichkeit?!?
In Hessen gab es in den Wochen 49-51 laut Euromomo eine moderate Übersteblichkeit. Irgendwo gibt es die in fast jedem Jahr, denn dieser Durchschnitt muss ja irgendwie zustandekommen. Auf den euromomo-Karten findet man in jedem Jahr mindestens eine Woche, in der das Leben hochgefährlich aussieht:

Sinnvoller ist es meist, sich das ganze Jahr anzusehen, im Vergleich mit mehreren Vorjahren. Aber auch das kann mehrdeutig sein. Schweden zum Beispiel sieht dieses Jahr im Fünfjahresvergleich nach Übersterblichkeit aus, im Zehnjahresvergleich aber nicht, weil es drei Jahre mit ungewöhnlich niedriger Sterblichkeit innerhalb der letzten fünf gab.
Die Seite „Flensburg für Grundrechte“ (wie der Name vermuten lässt, tendeziell kritisch den derzeitigen Maßnahmen gegenüber) hat für die gesamtdeutschen Zahlen diese Grafik erstellt: blau ist dieses Jahr, rot die jeweiligen Maximalwerte aus den Jahren 2016-2019, grün die Minimalwerte. Zwischen rot und grün lag der Bereich, den wir bisher akzeptiert haben, ohne drastische Maßnahmen zu ergreifen.

stammt aus dem Artikel https://flensburg-fuer-grundrechte.de/2020/12/21/uebersterblichkeit-durch-covid-19-in-deutschland-eine-frage-der-perspektive/

Wir scheinen jedenfalls von den Horror-Zahlen, die uns im Frühjahr prognostiziert wurden, relativ weit weg zu sein.
Ja, jeden Tag ein Flugzeugabsturz, wie Söder sagte. Aber normal sind durchschnittlich ca. 2500 – 2700 Sterbefälle pro Tag im Schnitt. Und klar müssen wir zusehen, dass wir niemanden fahrlässig anstecken. Und natürlich sollten wir solidarisch sein. Aber ich wäre auch gern solidarisch mit denen, die gerade schon all ihre Ersparnisse aufgebraucht haben, weil sie durch die Lücken sämtlicher Förderungen fielen (ja, die gibts, diese Lücken, und nicht zu knapp), mit denen die sich vor Verzweiflung umbringen wollen, und mit denen, die jetzt hungern oder verhungern, weil die C-Maßnahmen die Lieferketten zu Niedriglohnländern unterbrochen haben. In Anbetracht der Zahlen, die zeigen, dass dieses Virus deutlich weniger tödlich ist als zu dem Zeitpunkt, wo man das erste Mal gesagt hat: „Nur ein Lockdown kann uns vor unfassbar vielen Toten bewahren!“, sollte sich allmählich die Frage stellen, ob wir mit einer Kursänderung nicht insgesamt besser dran wären.

Ja, aber – wir haben doch so viele Krankheitsfälle?!?

Zurück zu den nackten Fakten, ganz uninterpretiert von verdächtigen Webseiten:
Hier wieder das RKI, Abteilung Grippeweb. ARE sind aktute Atemwegsinfektionen, die gravierend genug sind, um damit mindestens zum Arzt zu gehen. Alle. Schnupfen durch Rhinoviren, bakterielle Lungenentzündung, Covid – alle. Hier der Vergleich der Jahre 2018, 2019, 2020. Die senkrechten Striche stehen jeweils für den Zeitpunkt, an dem dieses Jahr Kontaktbeschränkungen (in Woche 45 „Lockdown light“) einsetzen.

Ich kann mir nicht helfen, so wahnsinnig scheinen diese Lockdowns gar nicht geholfen zu haben. Zumal ja die Wirkung verzögert einsetzt wegen der Inkubationszeit.

Aber die Intensivbetten! Wir machen das doch alles, um das Gesundheitssystem vor dem Zusammenbruch zu bewahren, war das nicht so?

Diese Grafiken des RKI-Intensivregisters zeigen klar, dass die Intensivbetten in der Tat immer knapper werden. Nicht wegen ansteigender Belegungszahlen, sondern weil so viele Betten wegfallen. Da kommen mehrere Dinge zusammen, Schließung kleinerer Kliniken, fehlendes Personal, Personalausfall durch Quarantäne, Krankheit oder fehlende Kinderbetreuung bei Schulschließung. Alles Dinge, die man anscheinend über den Sommer nicht hat beheben oder vorbereiten können. Mich deucht, einige der Milliarden, mit denen man jetzt zwangsgeschlossene Karaoke-Bars und Einzelhandelsgeschäfte über Wasser halten muss, wären sehr gut in den Krankenhäusern investiert gewesen. Meinetwegen auch in private Tagesmütter für Intensivpflegepersonal.

Hier sieht man den Anteil der C-Patienten und seine Auswirkungen auf die Betten.
Schon klar, dass andere Patienten gerade vertröstet werden. Dennoch: Wenn ich Reporter im Fernsehen sagen höre: „Wir haben immer mehr Intensivfälle“, dann ist das missverständlich ausgedrückt.

Soweit die aktuellen Infos der verschwörungstheoretischen RKI-Webseiten.

Ich schwenke noch mal zu den Flensburgern, die haben nämlich auch ein hochinteressantes Dashboard mit jeweils aktuellen Zahlen. Hier ein paar Screenshots:

Und jetzt ende ich etwas unvermittelt und muss den Sekt aufmachen!
Ich wünsche euch ein wunderschönes und gesundes neues Jahr 2021!
Julia

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